Düsseldorf | Ein Tag in Düsseldorf-Flingern

Seitdem ich in Düsseldorf wohne hatte ich nur einmal einen Grund nach Flingern zu fahren. Damals lockte mich eine Neubauwohnung mit Balkon im ersten Stock eines Mehrfamilienhauses in den nördlichen Teil von Flingern, die ich dann jedoch auch zeitlichen Gründen nicht beziehen konnte. Der Stadtteil hat mich dennoch weiterhin interessiert, weshalb ich unbedingt die Sehenswürdigkeiten und Besonderheiten von Flingern eines Tages besser kennenlernen wollte. Gesagt, getan – und somit kann ich Dir meine Tipps nun mit auf den Weg geben und Dir einen Ausflug nach Flingern empfehlen. Was Dich dort erwartet, erfährst Du im Beitrag.

Meine Entdeckungstour beginnt in der U71 in Richtung Rath. Die Wehrhahn-Linie (die übrigens wegen der Kunstintallationen einen eigenen Beitrag wert ist) bringt mich vom Kirchplatz aus direkt zur S-Bahnstation Wehrhahn, an den Rand von Flingern. „Pieeep!“, tutet es aus der U-Bahn, die Türen springen auf, die Sonne scheint mir ins Gesicht und ich begebe mich zunächst in den Norden von Flingern. Direkt fällt mir die unterschiedliche Architektur des Stadtteils auf.

Gemischte Architektur

Ich biege ein in die Mendelssohntraße und finde mich wieder zwischen der unterschiedlichsten Gebäudearchitektur. Mal noch so, wie vor 50 Jahren und mal aufgehübscht, wie gerade neu erbaut, strahlen mir die Fassaden der Häuser entgegen. Auf beiden Straßenseiten ranken auf den breiten Bürgersteigen die Bäume mehrere Meter hoch in die Luft.

Flingern teilt sich auf in Nord- und Süd-Flingern und zählt zu den ältesten Stadtteilen der Landeshauptstadt. Früher wurde Flingern eher von Arbeitern der Industrie bewohnt, was sich in der Architektur der Gebäude widerspiegelt. Besonders im Flingern-Süd zeigt sich der industrieller Baustil. Heute wohnen in Süd-Flingern ungefähr 10.000 Menschen und in Nord-Flingern 20.000 Menschen. Zu den Bewohnern zählten übrigens auch mal die „Toten Hosen“, die angeblich noch heute dort ab und an durch die Straßen ziehen. Flingern wächst! Bei jungen Leuten und Familien ist der Stadtteil beliebt wie nie. Das liegt vermutlich auch an den verhältnismäßig geringen Mietpreisen.

Bei meinem Spaziergang entdecke ich, dass jede Straße ihren eigenen Charme hat. Es lohnt sich, ab und an mal innezuhalten, stehen zu bleiben und den Blick über die langen Straßen schweifen zu lassen. Dabei fällt auf, dass Flingern einiges an Gastronomie zu bieten hat.

Cafés, Bars und kleine Geschäfte in Düsseldorf-Flingern

Was ist Deine Lieblingsbeschäftigung – besonders im Sommer? Vermutlich Dich mit Freunden treffen, in Cafés oder Bars gehen oder in der Sonne ein saftiges Stück vom leckeren Apfelkuchen genießen. In Flingern geht das recht gut, wie ich finde.

Mir fallen zuerst die zahlreichen Kioske, Trinkhallen und Büdchen auf, die an jeder Straßenecke zu finden sind. Bei Sonnenschein treffen sich hier Nachbarn, befreundete Familien und altbekannte Freunde am Abend – ganz nach dem Motto: Wo ein Büdchen, da auch ein Bierchen.

Kioskkult in Flingern

Für Kuchenlieber findet sich ebenfalls in (fast) jeder Straße ein Anlass zur Freude. Kein Geheimtipp mehr und „weltbekannt in Flingern“ ist das Café Hüftgold auf zwei Etagen an der Ecke Birkenstraße/ Ackerstraße. Die Auswahl an Getränken ist riesig und für ein ausgiebiges Brunch wird hier gesorgt. Bei Oma Erika in der Hermannstraße bist Du im Herzen von Flingern. Saftige Stullen, handgebackenes Bananenbrot und andere Köstlichkeiten werden mit Liebe zubereitet und täglich serviert. Doch Flingern hat noch mehr zu bieten:

  • Flurklinik (Flurstraße 14, 40235 Düsseldorf
  • Nordmanns Eisfabrik (Hermannstraße 22a, 40233 Düsseldorf)
  • Kaffeehandwerk (Birkenstraße 127, 40233 Düsseldorf)

Streetart und Alternative Szene in Düsseldorf-Flingern

Ein Mann sitzt auf einem Hocker und schlägt auf dem Bürgersteig etwas Holz klein. Von den Hausbewohner gepflegte Blumenbeete finden sich entlang der Straße und sind geschmückt mit Keramikhasen. Ein Haus weiter ziert eine japanischer Lampion den Hauseingang in dem rot angestrichenen Haus. Die Jalousien sind in vielen der bunten Fenster runtergezogen, so dass kein Tageslicht eindringen kann. Alles wirkt hier etwas surreal – ich muss auf der Kiefernstraße sein, im Süden von Flingern. Die Straße gleicht einem Frabkasten, der mit seinen Farben die Hausfassaden kunterbunt bemalt hat wie ein Kunstwerk. Oder besser: mehrere Kunstwerke, denn jedes Haus sieht hier anders aus.

Was aussieht wie eine Touristenattraktion, hat jedoch eine lange Geschichte hinter sich und ihren Ursprung in den 1970er Jahren. Die Kiefernstraße ist aufgrund des damaligen Stahlwerks entstanden. Da man damals seine Arbeiter in der Nähe des Stahlwerks wohnen lassen wollte, wurde die Kiefernstraße als Teil eines Arbeiterviertels gegründet.

Nach dem das Stahlwerk Mitte der 1970er Jahre stillgelegt worden ist und die Häuser auf der Kiefernstraße in städtische Hand übergegangen sind, hat sich die Hausbesetzerszene dort niedergelassen, um zu protestieren. In den 1980er Jahren wurde die Kiefernstraße sogar mit der damaligen Terrorgruppierung RAF in Verbindung gebracht. Die Hausbesetzer von heute wohnen teilweise noch immer dort, haben allerdings seit den 1980er Jahren reguläre Mietverträge.

Der Spirit der Hausbesetzer ist allerdings noch heute erkennbar. Flaggen mit der Aufschrift „Black Lives Matter“ und „No Racism“ wehen aus den Fenster der bunten Häuser. Da eine Haustür aufsteht kann ich erkennen, dass sogar von innen bunte Graffitis und Schriftzüge die Wände zieren. Die Bewohner der Kiefernstraße organisieren mehrmals im Jahr ein Straßenfest.

Was sonst noch so in Düsseldorf-Flingern geht

Fliegern hat noch mehr zu bieten, als ich Dir bisher vorgestellt habe. Das ganze Jahr über lohnt sich daher ein Besuch im Stadtteil.

Freizeitbad „Düsselstrand“
Badespaß im Kurs oder allein, Rutschen und einen Besuch in der Saune werden Dir im Düsselstrand angeboten. Für Familien oder auch für eine entspannte Abwechslung nach einem stressigen Arbeitstag ist der Düsselstrand geeignet. Mein Tipp: Nutzt die Sparpreise von Montag bis Freitag für max. 1,5 Stunden. Für regelmäßige Besuche gibt es auch 10er-Karten zu kaufen.

Parks und Spielplätze
Ich entdecke in Flingern an jeder Straßenecke kleine Parks und Spielplätze. Besonders interessant finde ich den Stadtwerkepark der genügend Grünfläche bietet und direkt am einem Kraftwerk liegt. Etwas ungewöhnliche Umgebung, sieht aber spannend aus und ist nicht nur was für einen Spielenachmittag mit Kindern.

Das „zakk“
Der Name zakk ist eine Abkürzung und steht für „Zentrum für Aktion, Kultur und Kommunikation“. Was sich sperrig anhört, ist eigentlich schnell erklärt: Partys, Peotryslams und Konzerte sorgen für gute Unterhaltung bei den Düsseldorfern. Die kleine Location hat Charme und ich selbst bin immer wieder dort. Gerne laufe ich bei Partys über die Galerie der Location im ersten Stock und betrachte von oben das Geschehen mit einem frisch gezapften Bier in der Hand. Hier trifft man auch interessante Leute zum Unterhalten.

Straßenfeste
Im Sommer lockt das zakk nicht nur zu sich rein, sondern auch auf die Straße. Straßenfeste gehören zu Flingern wie das Alt zu Düsseldorf. Neben Schlagerfesten finden auch auf der Kiefernstraße kulturelle Straßenfeste und Trödelmärkte statt.

Flingern bietet Dir ein vielfältiges Angebot, bei dem Du bei Bedarf einfach zugreifen kannst. Wohnen, einen Ausflug mit der Familie, ein Bier mit Freunden oder ein Spaziergang an einem sonnigen Tag am Wochenende – alles geht!

Was sind Deine Lieblingsorte und liebsten Dinge in Flingern? Lass‘ es mich wissen, dann teste ich diese beim nächsten Besuch in Flingern aus. Oder brauchst du weitere Tipps?

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